Betrachtet man die Position der Jesus Freaks zu diesem Thema, so erkennt man schon am Titel, dass sie dafür plädieren, dass Frauen sowohl predigen als auch leiten sollten.
Einleitend zur theologischen Erklärung wird Gal 3,28 angeführt: „Da ist weder Mann noch Weib; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“ Laut Storch, dem Herausgeber des Buches „Die Prinzessin auf der Kanzel“, vertritt Paulus die Meinung, „dass kein Unterschied zwischen Männern und Frauen im Gemeindedienst sein sollte:“1 Diese Position, mit der Hauptbegründung aus Gal 3,28, zieht sich wie ein roter Leitfaden durch das gesamte Buch. Ohne an dieser Stelle jedoch eine umfassende Exegese vorzulegen, sei darauf hingewiesen, dass Paulus an dieser Stelle in keiner weise vom Dienst in der Gemeinde, sondern von der soteriologischen Tragweite spricht. In Gottes Augen gibt es bei der Errettung keine Unterschiede. Mit dem Dienst in der Gemeinde hat diese Stelle herzlich wenig zu tun. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass ebenso wie die Jesus Freaks auch die Feministische Theologie argumentiert. Mit Gal 3,28 argumentieren sie für eine egalitäre Ansicht in der Geschlechterfrage. Sei es für einen absolut gleichgestellten Dienst, oder aber auch für das Ausleben des homosexuellen Lebensstils.2
Neben der Argumentation mit Gal 3,28 führen die Jesus Freaks noch 2Kor 3,6 ins Feld: „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ Ihre Schlussfolgerung aus diesem Vers ist folgende: „Das, was uns interessieren sollte, ist doch, dass sich unsere moderne Praxis am Geist der Bibel orientiert und nicht an ihrem Buchstaben.“3 Leider ist in den darauf folgenden Erklärungen zu beobachten, dass der „Geist der Bibel“ von dem „Buchstaben der Bibel“ getrennt wird. Doch die Buchstaben der Bibel kommen durch den Geist Gottes (2Petr 1,21). Diese Trennung entspricht nicht biblischer Lehre, sondern menschlicher Willkür. Als drittes Argument wird immer wieder der kulturelle Kontext der biblischen Bücher erwähnt. Und ohne Frage liegt hier eine der größten Stärken des Buches. In kurzen und prägnanten Erklärungen, werden die damaligen kulturellen Gepflogenheiten dargestellt. Doch leider basieren viele theologischen Schlussfolgerungen auf reinen Vermutungen. In der Erklärung zu 1Tim 2,13 heißt es: „Vermutlich war es so, dass auch Frauen unter den Irrlehrern waren und Paulus diesen Frauen das Reden verbieten will.“4 Mit dieser Vermutung könnte er Recht haben. Bewiesen ist sie aber nicht. Und somit geht auch folgende Schlussfolgerung aus dieser Vermutung zu weit: „Irrlehrenden Frauen soll ihre Irrlehrerei ebenso verboten werden wie den –namentlich erwähnten– männlichen Irrlehrern.“5 Aus einer vorherigen Vermutung wird eine dogmatische Aussage, der jegliche biblische Grundlage fehlt.
Die Position der Jesus Freaks zu kennen und dazu das Buch zu lesen ist hilfreich. Jedoch muss man mit Enttäuschung feststellen, dass die theologischen Begründungen erschreckend schwach und nicht nachvollziehbar sind.
1Die Prinzessin auf der Kanzel: Warum Frauen predigen und leiten sollten, Hg. Storch, Remscheid: Orkrist, 2005, S.46.
2Vgl., Catharina J. M. Halkes, Gott hat nicht nur starke Söhne: Grundzüge einer feministischen Theologie, 1980, 5. Aufl., Güthersloh: Güthersloher Verlagshaus, 1987.
3Die Prinzessin auf der Kanzel, S.49.
4Ebd., S.80.
5Ebd., S.81.
